Elternzeit im Wohnmobil

Die Camping Checkliste

0
1960
Papa & Sohn auf Korsika, Quelle: arbeitsheld.de

Wir sind im Jahr 2015 mit unserem damals 6 Monate alten Sohn während der Elternzeit für mehrere Monate über 10.000 KM durch Europa gereist. Für die Reise haben wir einige Vorbereitungen getroffen und während unseres kleinen Abenteuers manche Erfahrungen gemacht, die ich in dieser Camping Checkliste teilen möchte.


Die Checkliste

Sicherheitscheck und wo liegt das Baby im Wohnmobil?

Das Geld, die Planung und Versicherung

Reisen mit Säugling und die erste Breifütterung

Kinderwagen und zu Fuß unterwegs


Check 1: Sicherheitscheck und wo liegt das Baby im Wohnmobil?

????
Breipause am Strand von Korsika, Quelle: arbeitsheld.de

Wir haben uns einen älteren Fiat Ducato Camper mit Alkoven gekauft und mussten uns daher  vor der Reise mit dem Thema Fahrsicherheit auseinandersetzen. Wie kann man den Maxi-Cosi befestigen und sind die Bremsen des Fahrzeugs in einem guten Zustand? Wir haben daher das Mobil in einer spezialisierten Werkstatt durchchecken lassen. Dabei wurden einige kleinere Reparaturen, wie der Austausch von Dichtungen, durchgeführt – es stellte sich aber auch heraus, dass die hinteren Bremsbeläge erneuert werden mussten. Die Lichtmaschine sollte auch nicht mehr lange halten – so zumindest die Aussage des Mechanikers. So war es dann auch: am Ende unserer Reise versagte die LIMA nach knapp 10.000 KM bei La Rochelle.

Bei der Sitzbank im Wohnbereich des alten Fahrzeugs befinden sich keine Gurte. Nur in der Fahrerkabine sind 2 Pilotensitze mit Dreipunktgurten vorhanden. Allerdings ist unter der Sitzbank der Wassertank verankert, der in einem verschweißten Stahlgerüst verbaut ist. Durch die Stahlstangen habe ich zwei massive Ketten gezogen, die so dick sind, dass man die Docking Station des Maxi Cosis einrasten kann. Die Ketten wurden mit 2 starken Karabinern verschlossen. So konnte unser Sohn auf dem Rücksitz sicher mitfahren und bekam vom Lärm des Dieselmotors weniger mit.

Check 2: Das Geld, die Planung und Versicherung

Eine lange Reise ist mit einigen Risiken verbunden. Nicht jedes Risiko kann ausgeschlossen werden. Wir haben uns deswegen aber auch nicht verrückt gemacht. Trotzdem haben wir unsere Auslandskrankenversicherung überprüft und auf die Dauer unserer Reise angepasst. Wir sind in den ACE-Automobilclub eingetreten, weil dieser bei ähnlicher Leistung günstiger ist als der ADAC. Ansonsten haben wir standardmäßig eine Familienhaftpflichtversicherung und für das alte Fahrzeug eine Teilkaskoversicherung sowie einen Auslandsschutzbrief.

Lichtmaschine kaputt, Quelle: arbeitsheld.de
Lichtmaschine kaputt, Quelle: arbeitsheld.de

Wir planten das Mobil nach der Reise wieder zu verkaufen. Wir haben es im Herbst gekauft, weil es am Ende der Saison immer günstiger ist, ein gebrauchtes WOMO zu kaufen. So hatten wir auch Zeit, uns mit unserem Gefährten vertraut zu machen und kleinere Umbauten vorzunehmen. Wir haben das Mobil für etwa 6.000,- Euro gekauft und ca. 1.000,- Euro für Reparaturen investiert. Für ca. 7.000,- Euro haben wir es im Spätsommer wieder verkauft. Für die Versicherung und Steuer haben wird +/- 1.000,- Euro bezahlt. In Summe hat uns das Fahrzeug für 10 Monate somit mehr oder weniger 1.000,- Euro gekostet. Wir hatten natürlich auch etwas Glück, dass das alles so geklappt hat.

Leider konnten wir unsere Wohnung nicht zwischenvermieten. Wir waren dann aber ganz froh, dass wir im Fall der Fälle in die Wohnung hätten zurückkommen können. Das hat die Reise teurer gemacht – aber mit dem Elterngeld, Kindergeld und ein paar Rücklagen konnten wir in der Nebensaison und mit der ACSI-Card sehr günstig unterwegs sein. Die größten Posten mussten wir für den Diesel und die Fähren verbuchen. Alle weiteren Ausgaben hat man auch, wenn man in seiner Wohnung bleibt. Finanziell hat uns die Reise nicht ruiniert – aber durch viele Erfahrungen bereichert.

Check 3: Reisen mit Säugling und die erste Breifütterung

Am Anfang der Reise hat unser Sohn auf den Fahrten viel geschlafen – eigentlich ist er immer eingeschlafen, wenn der Motor wummerte und wir mit 90 km/h durch die Landschaft getuckert sind. Sicherlich ist das ein Vorteil mit sehr kleinen Kindern, die z.B. noch nicht rumkrabbeln können und viel Schlaf brauchen. Das hat sich bei uns mit der Zeit geändert, daher empfiehlt sich eine gute Etappenplanung. Im Idealfall fährt man 2 – 3 Stunden und macht dann wieder 2 – 3 Tage Pause. Soweit zur Theorie – in der Realität haben wir uns mehr abverlangt. Aber mit dem ganzen Auf- und Abbau machen mehrtägige Pausen Sinn und sind entspannter für die ganze Familie. Grundsätzlich gilt; ein sattes, trockenes & zufriedenes Kind liegt gern im Maxi-Cosi und schaut sich die Welt an!

Unser Sohn entdeckt Frankreich, Quelle: arbeitsheld.de
Unser Sohn entdeckt Frankreich, Quelle: arbeitsheld.de

Für die Zeit des Abstillens hatten wir einen Breikocher im Gepäck, der sich als sehr nützlich erwiesen hat. Das frische Gemüse wurde zusammen wahlweise mit Fisch oder Fleisch  gedünstet und dann püriert. Daraus entstanden gleich mehrere Mahlzeiten, die wir in Tupperware verpackten und im Kühlschrank verstauten. Die frische Luft macht hungrig und so sind wir gerne und viel essen gegangen – für den Kleinen hatten wir dann immer eine Portion selbstgemachten Brei mit im Gepäck. Für Notfälle und für längere Fahrten hatten wir immer Vorräte an Fertiggläschen im Wohnmobil verstaut. Lebensmittelvorräte zahlen sich aus. Sämtliche Pflegeutensilien, wie Öle und Wickelunterlagen etc., haben wir aus Deutschland mitgenommen. Unser Sohn ist während der Reise nicht krank geworden, die Grundversorgung, wie Fieberzäpfchen usw., hatten wir natürlich dabei.

Check 4: Kinderwagen und zu Fuß unterwegs

????
Rücken kaputt aber tolle Aussicht, Quelle: arbeitsheld.de

Ein vernünftiger und robuster Kinderwagen, der auch als Bettchen dienen kann, ist unerlässlich. Unser Hartan Racer GT hat die Reise unbeschadet überstanden und wurde in den Pyrenäen an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht. Für unwegsames Gelände haben wir einen Babybjörn verwendet. Allerdings war die Tragevorrichtung für längere Wanderungen nicht zu gebrauchen, weil unser Sohn einfach zu schwer war –  oder wir zu schwach. Bei Wanderungen mit Kletterabschnitten über Stock und Stein empfehlen wir die Kombination aus Babybjörn und Wanderstöcken. Grundsätzlich muss man sich aber darauf einstellen, dass viele Freizeitaktivitäten mit einem Baby nicht durchzuführen sind. Dazu gehören z.B. 8 stündige Wanderungen unter der südspanischen Sonne oder Klettertouren auf Korsika.

Mein Fazit

Die Elternzeit im Wohnmobil war für unsere Familie ein unvergessliches Erlebnis. Vor der Reise empfehle ich einen technischen Check des Wohnmobils, die Überprüfung der Versicherungen und eine entsprechende Planung der Reisekasse: Wie lange wollen Sie unterwegs sein und was darf der Spaß kosten? Unterwegs ist eine gute Etappenplanung sinnvoll. Überlegen Sie, was Sie vor Ort unternehmen möchten und packen Sie das nötige Zubehör ein. Nimmt man sich genügend Zeit, ist die ganze Familie entspannt und man kann eine wunderschöne Zeit zusammen haben!

Autor: Matthias Schäfers

Zum Blog zur Reise

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here