Über Sinn und Unsinn von Buchungsportalen für Campingplätze

Interview mit Max Camping

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Maximilian Möhrle von Max Camping, Quelle: Max Camping

Für viele Urlauber gehören booking.com oder hrs.de zum festen Repertoire bei der Reiseplanung. Bei den Campern ist das anders. Der Markt von Buchungsportalen für Campingplätze ist noch etwas unübersichtlich und funktional schlecht vergleichbar. Innerhalb der letzten 2 Jahre ist hier viel in Bewegung gekommen. Große Seiten, wie camping.info, haben Ihre Dienstleistungen ausgebaut und es gibt mit Camparound auch smarte und ausgereifte Apps für die Buchung von Stellplätzen. Im Gespräch mit camping-checklist.de erklärt uns Maximilian Möhrle von Max Camping, wie sich die Branche entwickelt, warum er sich in 2016 über seine Mitbewerber geärgert hat und welche Pläne er mit dem Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e.V. (BVCD) momentan in die Tat umsetzt.

Max, wieso willst Du Dein Geld mit einem Buchungsportal für Campingplätze verdienen?

Maximilian Möhrle: Ich bin Camper und Überzeugungstäter – daher war für mich schnell klar, womit ich meine Brötchen verdienen möchte: Camping. Die Campingbranche hinkt in Sachen Online im Vergleich zu anderen Branchen hinterher und so kam 2015 die Idee zu einem Buchungsportal für Campingplätze auf. Im August des gleichen Jahres habe ich gegründet und meine Seite Max Camping ging dann im April 2016 live.

… und dann hieß es Klinkenputzen, oder wie?

Maximilian Möhrle: … ja und zwar von Tür zu Tür. In dieser Zeit habe ich viele Campingplätze und Toilettenhäuschen gesehen. Durch meine Freundin hatte ich eine super Unterstützung dabei und wir konnten diese Zeit richtig genießen. Aber aller Anfang ist schwer und ich musste bei den Platzbetreibern viel Überzeugungsarbeit leisten. Besonders wichtig war dabei, die richtige Erwartungshaltung zu vermitteln – schließlich werden über ein neues Portal nicht von heute auf morgen tausend neue Buchungen abgewickelt.

Max mit Freundin beim Klinkenputzen, Quelle: Max Camping

Was hat das Feedback der Platzbetreiber und der Camping Community für die Entwicklung Deines Geschäftsmodells bedeutet?

Maximilian Möhrle: Zwei Punkte waren hier ausschlaggebend. Einerseits habe ich gemerkt, dass ich mit meiner kleinen Truppe von Max Camping nicht so viel Power auf die Straße bringe, um ein gutes Ranking für mein Buchungsportal bei Google und Co zu erreichen und andererseits gab es in 2016 massive Probleme durch das Verhalten von einem neuen Mitbewerber im Markt.

camping-checklist.de finden viele Leser durch Nischenthemen, wie Kleinstwohnwagen, für Max Camping funktionieren keine Nischen, weil Ihr mit Begriffen wie „Campingplatz buchen“ gefunden werden müsst. Korrekt?

Maximilian Möhrle: Ja, genau. Wir hätten massiv in Online Werbung investieren müssen, um die Marke nachhaltig aufzubauen und das Ergebnis wäre ungewiss gewesen. Daher habe ich mir mit dem BVCD einen starken Partner gesucht, der in der Branche gut vernetzt ist und seriös arbeitet. In vielen Gesprächen und Arbeitsgruppen haben wir unsere Erfahrungen ausgetauscht und so entstand die Idee für den BVCD Marktplatz über den zukünftig Buchungen für Campingplätze abgewickelt werden. Dieses Projekt läuft parallel zu meiner Seite Max Camping.



.. und von welchem Mitbewerber im Markt sprichst Du?

Maximilian Möhrle: Im Sinne eines hoffentlich in Zukunft fairen Wettbewerbs würde ich hier nun ungern Namen nennen. Fakt ist, dass ein Mitbewerber im letzten Jahr sehr aggressiv in den Markt eingestiegen ist und hierbei auch zu Methoden gegriffen hat, welche deutlichen Schaden für alle Wettbewerber im Markt bedeutet haben. Ein Beispiel ist, dass dieser Mitbewerber gleich zu Beginn bereits über 500 Campingplätze auf seinem Portal auswies. Das verwunderlich war nur, dass viele Campingplatzbetreiber davon keine Kenntnis hatten und verständlicherweise verärgert waren. Zudem empfand ich einige Marketingmaßnahmen des Unternehmens als grenzwertig. Ich möchte hier nicht weiter ins Detail geben. Allerdings schädigt solches Verhalten dem Ansehen von meiner Seite – aber auch dem von anderen Portalen, die seriös arbeiten und Ihre Partnerplätze in mühevoller Arbeit über einen längeren Zeitraum akquirieren und binden. Plötzlich waren nämlich in den Augen vieler Campingplatzbetreiber alle Buchungsportale schlecht und somit unnütz. Das hat mich sehr geärgert. Ich denke aber auch, dass man in diesem Markt ein besonders Fingerspitzengefühl braucht, denn viele Platzbetreiber sind eben auch Überzeugstäter und rennen nicht dem schnellen Geld hinterher.

Ist Max Camping nun Geschichte und der BVCD Marktplatz die Zukunft für Dich?

Maximilian Möhrle: Mit dem BVCD Marktplatz stellen wir ab Mai 2017 eine Plattform zur Verfügung, über die Campingplatzbetreiber und Buchungsportale vernetzt werden. Für den Start werden hierbei für die Platzbetreiber keine Provisionen fällig, sondern ein Beitrag von 149,- Euro pro Jahr – unabhängig von der Anzahl der Buchungen. Mit diesem Angebot können wir in die Breite gehen und das System weiter ausbauen. Vielleicht macht es in Zukunft auch Sinn, für kleine Plätze ein provisionsbasiertes System anzubieten – das ist aber noch nicht entschieden. Max Camping bleibt bestehen. Ehrlichgesagt hatte ich zwar durch das Projekt mit dem BVCD in den letzten Monaten weniger Kapazitäten, die Seite auszubauen… Max Camping bleibt für mich aber eine Herzensangelegenheit.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg!

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